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Radioaktivität in heimischen Wildpilzen
Auch 25 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl ist in Wildpilzen noch immer radioaktives Cäsium-137 zu finden. Das Bundesministerium für Gesundheit ermittelt daher regelmäßig im Rahmen von stichprobenartigen Marktkontrollen und Studien die radioaktive Belastung von heimischen Wildpilzen. Aus der heuer in Auftrag gegebenen Studie liegen nunmehr erste Ergebnisse vor, die im Folgenden kurz zusammengefasst und erläutert werden. Primär werden im Rahmen der Studie die als Speisepilze sehr beliebten und daher für den menschlichen Verzehr auch mengenmäßig relevanten Eierschwammerl und Steinpilze untersucht. Aber auch Maronenröhrlinge sind wegen ihrer Fähigkeit, Radiocäsium besonders stark aufzunehmen, Teil der Studie.
Belastung der Böden mit Radiocäsium
Die radioaktive Belastung von Wildpilzen korreliert im Wesentlichen mit der Kontamination der Böden, auf denen sie wachsen. Die Bodenkontamination mit Radiocäsium ist in Österreich nicht gleichmäßig, sondern regional stark unterschiedlich. Höhere Belastungen treten in Gegenden auf, in denen es während des Durchzugs der vom Tschernobylunfall kontaminierten Luftmassen stark geregnet hat. Die regionale Verteilung der Cäsium-137-Belastung ist in dem gemeinsamen Bericht des damaligen Bundesministeriums für Gesundheit und Konsumentenschutz und des Umweltbundesamtes zu finden (Regionale Verteilung der Cäsium-137-Belastung).
Höher belastete Gebiete sind vor allem im westlichen Niederösterreich, der westlichen Obersteiermark, in weiten Teilen Oberösterreichs und Salzburgs sowie im Koralpengebiet anzutreffen. Die im Rahmen der gegenständlichen Studie untersuchten Pilze stammen aus verschiedenen Gegenden Österreichs, wobei bei der Auswahl der Sammelstellen darauf geachtet wurde, dass gering, mittel und hoch belastete Gebiete umfasst sind.
Rückgang der Belastung von Wildpilzen
Die ersten Ergebnisse zeigen im Vergleich zu den Vorjahren für alle Pilzarten einen Rückgang der Cäsium-137-Kontamination. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Rückgang bei Steinpilzen, etwas geringer bei Eierschwammerln und Maronenröhrlingen.
Die Kontamination von Eierschwammerln liegt in gering bis mittel belasteten Regionen im Mittel deutlich unter 100 Bq/kg. In hoch belasteten Gebieten wurden für Eierschwammerl Mittelwerte von bis zu einigen 100 Bq/kg gefunden. Mittelwerte über dem für Wildpilze geltenden Grenzwert von 600 Bq/kg wurden aber selbst in solchen Gebieten nicht festgestellt. Eine Kontamination einzelner Exemplare in hoch belasteten Gebieten über dem Grenzwert ist jedoch nicht völlig ausgeschlossen und wurde im Rahmen dieser Studie bislang in drei Fällen gefunden. Ein seltener Verzehr selbst solcher Eierschwammerl stellt aber praktisch kein Gesundheitsrisiko dar.
Deutlich geringere Belastungen als Eierschwammerl weisen Steinpilze auf. Für Steinpilze liegen selbst in hoch belasteten Gebieten die Mittelwerte deutlich unter 100 Bq/kg. Grenzwertüberschreitungen wurden für Steinpilze auch bei Einzelexemplaren keine festgestellt. Der höchste gemessene Wert liegt bei etwa 200 Bq/kg.
Maronenröhrlinge nehmen Radiocäsium aus dem Boden besonders stark auf. In hoch belasteten Regionen liegen für diese Pilzart auch die Mittelwerte über dem Grenzwert. Einzelwerte von einigen tausend Bq/kg sind bei Maronenröhrlingen keine Seltenheit.
Nach Abschluss der Studie und Vorliegen aller Ergebnisse wird ein zusammenfassender Bericht erstellt und veröffentlicht.
Hinweise für den Konsum von heimischen Wildpilzen
Steinpilze können aus radiologischer Sicht praktisch aus allen Regionen Österreichs bedenkenlos genossen werden. Auch der Konsum von Eierschwammerln, deren radioaktive Belastung im Mittel selbst in hoch belasteten Gebieten deutlich unter dem Grenzwert liegt, stellt praktisch kein Gesundheitsrisiko dar. Eierschwammerl aus hoch belasteten Regionen sollten jedoch aus Vorsorgegründen nicht in allzu großen Mengen konsumiert werden. Auf den Konsum von Maronenröhrlingen sollte generell eher verzichtet werden. Unabhängig von der radioaktiven Belastung ist ein übermäßiger Konsum von Wildpilzen schon wegen der Belastung mit Schwermetallen nicht ratsam.
Welche Strahlendosis ergibt sich aus dem Genuss von Wildpilzen?
Dazu ein Beispiel: Werden bei einer Mahlzeit 200 g Wildpilze mit einer vergleichsweise hohen Kontamination von 600 Bq/kg verzehrt, ergibt sich daraus eine Dosis von etwa 0,0016 mSv. Dies ist weit weniger als ein Tausendstel der mittleren jährlichen natürlichen Strahlenbelastung, die in Österreich etwa 2,9 mSv beträgt. Ein weiterer Vergleich dazu: Die Strahlenbelastung bei einem Flug in 10.000 m Höhe beträgt etwa 0,008 mSv pro Stunde. Dies ist auch deutlich mehr als die Dosis, die sich aus dem Konsum der oben angeführten Pilzmahlzeit ergibt.
Bedeutung von Grenzwerten
Grenzwerte stellen keine scharfe Trennung zwischen gesundheitsgefährdend und völlig unbedenklich dar. Sie werden so gewählt, dass selbst dann ein ausreichender Schutz gegeben ist, wenn ein größerer Anteil unserer Nahrungsmittel einen Radioaktivitätsgehalt in Höhe der Grenzwerte aufweist. Der gelegentliche Konsum von Nahrungsmitteln, etwa von Wildpilzen oder von Wildfleisch, deren Radioaktivität über dem Grenzwert liegt, stellt daher zurzeit kein Problem dar, weil unsere sonstigen Nahrungsmittel völlig unbelastet sind. (23.9.2011)


