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Endokrin aktive Substanzen in Kosmetika

Laufende Meldungen über endokrin wirksame Stoffe (EAS) in Kosmetika beunruhigen viele Verbraucherinnen und Verbraucher. EAS sind Stoffe, die in Verdacht stehen, auf die normale Hormonaktivität der Menschen negativ Einfluss zu nehmen. (Siehe dazu: AGES - EAS in Kosmetikprodukten)

Insbesondere geht es um die Stoffgruppe der Parabene, eine Gruppe von strukturverwandten Chemikalien, die als antimikrobielle Substanzen gegen Mikroorganismen, wie Bakterien und Pilze, wirksam sind. Da Parabene effizient wirken und kostengünstig hergestellt werden können, werden sie in zahlreichen Produktgruppen, u.a. in kosmetischen Mitteln, als Konservierungsstoffe eingesetzt. Obwohl es für Parabene Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit gibt, muss jedoch zwischen hormonell aktiven und hormonell schädlichen Substanzen unterschieden werden. Denn nicht alle endokrin wirksamen Stoffe haben eine gesundheitsschädigende Wirkung.

Zulassungsverfahren

Primär unterliegen alle in Kosmetika verwendeten Konservierungsstoffe einem Zulassungsverfahren. Hierbei werden diese Stoffe durch den für kosmetische Mittel zuständigen wissenschaftlichen Ausschuss der Europäischen Kommission (SCCS) bewertet.

Auf Basis einer Bewertung durch den SCCS, wurden folgende Stoffe wegen ungenügender Datenlage mit der Verordnung (EU) Nr. 358/2014 verboten:

• Isopropylparaben
• Isobutylparaben
• Phenylparaben
• Benzylparaben
• Pentylparaben

Auch die Parabene - Propyl- und Butylparaben - wurden mit einer zulässigen Einsatzkonzentrationen in kosmetischen Mitteln von 0,4% bei einzelner Verwendung und 0,8% bei der Verwendung zusammen mit anderen Estern, eingeschränkt.

Neue Einschränkungen

Mit der Verordnung (EU) Nr. 1004/2014 vom 18.September 2014 wurden Propylparaben und Butylparaben weiter in ihrem Einsatzbereich eingeschränkt. Künftig dürfen diese Stoffe nicht mehr in abspülenden Produkten, die für den Windelbereich für Babys und Kleinkinder unter 3 Jahren vorgesehen sind, eingesetzt werden. Grund ist der unreife Metabolismus des Kindes und der Möglichkeit von Hautverletzungen und Irritationen im Windelbereich, sodass ein stärkeres Eindringen des Stoffes nicht ausgeschlossen werden kann.

Eine weitere Einschränkung von Propylparaben und Butylparaben betrifft die Summe aller eingesetzten Einzelkonzentrationen und ihrer Salze, die 0,14% im kosmetischen Mittel nicht überschreiten dürfen. Die neuen Vorschriften gelten für Produkte, die nach dem 16. April 2015 in den Handel kommen.

In Zusammenhang mit endokriner Wirksamkeit wurde ebenfalls die Substanz Diethylphthalat thematisiert. Diethylphthalat wird als Vergällungsmittel für Alkohol (Grundlage für Parfums) verwendet. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, Alkohol, der nicht zu Genusszwecken eingesetzt wird, mit einem Denaturierungsmittel zu versetzen. Zum einen wurde der Einsatz von Diethylphthalat als Denaturierungsmittel von Alkohol in Kosmetika vom wissenschaftlichen Ausschuss der EU als sicher bewertet, zum anderen wird nicht in jedem denaturierten Alkohol Diethylphthalat als Vergällungsmittel eingesetzt.

Auch hier ist die Dosis ausschlaggebend. Von den oben erwähnten konkreten Regelungsvorhaben abgesehen, sieht die EU- Kosmetikverordnung vor, dass die EU-Kommission spätestens bis 2015 die Verordnung hinsichtlich Stoffe mit endokrin wirksamen Eigenschaften zu überprüfen hat.

Öffentliche Konsultation

Die Europäische Kommission hat eine Roadmap erarbeitet, die seit Juni 2014 zur öffentlichen Konsultation zur Verfügung steht. Die Konsultation dient dazu, gemäß der Biozid-Produkte-Verordnung und der Pflanzenschutzmittel-Verordnung weitere Daten und Informationen von den betroffenen Kreisen einzuholen, um endgültige Kriterien für chemische Stoffe die endokrin wirkende Eigenschaften aufweisen festzulegen, und diese einheitlich einstufen zu können. Ende der öffentlichen Konsultation ist der 16. Jänner 2015. (1.10.2014)

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