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"Black Henna" Tattoos verursachen oft schwere allergische Reaktionen

Jedes Jahr im Sommer treten gehäuft schwere allergische Reaktionen verursacht durch "Black Henna" Tattoos auf. Diese "nicht permanenten Tattoos" werden bevorzugt in den südlichen Urlaubsländern angeboten. Ein "nicht permanentes Tattoo" ist eine Bemalung auf der Haut, wobei hierzu am häufigsten der Farbstoff Henna verwendet wird. Damit die Farbe dunkler, intensiver und länger haltbar wird, wird der "Henna-Tusche" eine hohe Konzentration von anderen Farbpigmenten beigemengt. Viele dieser Farbstoffe besitzen ein hohes sensibilisierendes Potential, sodass bei erneutem Hautkontakt allergische Reaktionen auftreten.

Überempfindlichkeitsreaktion der Haut

Beispiel einer durch

Nach der Anwendung von Henna kann es zu Reaktionen wie intensivem Juckreiz, starken Schwellungen, Pickeln oder Blasenbildung der Haut kommen. Die Reaktion kann sich auch auf den ganzen Körper ausdehnen. Dies kann zu jahrelang bis lebenslang anhaltenden Gesundheitsschäden führen, wie zum Beispiel: Narbenbildung, Dermatosen oder eine Allergie gegen die angewendeten Stoffe und/oder Substanzen mit ähnlicher Struktur. In solchen Fällen ist ein Besuch beim Hautarzt oder Allergologen oder bei besonders schweren Symptomen ein Krankenhausaufenthalt angezeigt. 

Henna Tattoos – wie funktionieren sie?

Ein Henna Tattoo hält rund zwei Wochen auf der Haut, bevor das Motiv langsam verblasst bis es gar nicht mehr sichtbar ist. Henna ist ein Extrakt aus dem ägyptischen Färberstrauch Lawsonia inermis. Seit mehr als dreitausend Jahren färbt man damit Haare, Haut und Nägel. Der rote Inhaltsstoff Lawson erzeugt dabei eine dunkelrote bis braune Färbung. Einen dunkleren, intensiveren Farbton erzielt man nur durch Zusätze. Meist wird dabei p-Phenylendiamin, kurz PPD, eingesetzt.

Was ist PPD?

PPD ist für eine dunkle bis schwarze Färbung verantwortlich. Es ist ein starkes Allergen. Deshalb ist sein Einsatz in der EU und damit auch in Österreich reglementiert. Schwarz oder dunkel gefärbtes Leder, etwa bei Schuhen, Handtaschen, Gürtel oder Handschuhen, Pelze und Kleidungsstücke können ebenso PPD enthalten wie Druckerschwärze, Fahrradgriffe, Gummischläuche, Unterröcke, Haarfärbeprodukte, Futterstoffe und dunkle Strumpfhosen. Die überwiegende Mehrzahl der in der EU vermarkteten Haarfärbeprodukte enthält aber gar kein PPD, sondern p-Toluylendiamin (PTD), eine Farbstoffvorstufe mit ähnlicher chemischer Struktur und geringerem allergenen Potential.

Warum löst PPD in Henna Tattoos Allergien aus?

Ob eine Allergie ausgebildet wird oder nicht, hängt immer von der Empfindlichkeit der jeweiligen Person, von der eingesetzten Menge des Allergens und der Intensität des Kontakts ab. Bei Henna Tattoos mit dem für diesen Einsatzzweck nicht zulässigen PPD ist die Verweildauer auf der Haut zu lange. Auch wenn die überschüssige Farbe nach zwei Stunden abgewaschen werden darf, so bleiben doch das eigentliche Tattoo und damit die eingesetzten Inhaltsstoffe zwei Wochen auf der Haut. Damit steigt die Gefahr einer Sensibilisierung.

Wie erkenne ich eine Allergie auf PPD?

Die ersten Anzeichen auf eine Allergie machen sich nur in seltenen Fällen schon kurz nach dem Auftragen des Henna Tattoos bemerkbar. Meistens dauert es aber bis zu zwei Wochen, bis sich die ersten Symptome zeigen: Juckreiz, Rötung, Bläschenbildung. Charakteristisch ist, dass die Bläschen aufplatzen und sich ein millimeterhohes, stark entzündetes Relief bildet, das exakt der Form des abgebildeten Motivs entspricht - wie mit einem Brandeisen markiert.

Die Vorstufe der Allergie ist die Sensibilisierung, die ohne Symptome verläuft und von den Betroffenen nicht bemerkt wird. Das Immunsystem merkt sich allerdings das Allergen vor und reagiert beim nächsten Kontakt mit PPD oder ähnlichen Substanzen allergisch mit den zuvor beschriebenen Symptomen. Das kann beim Auffrischen des Henna Tattoos mit Henna-Tusche sein, aber auch beim Kontakt mit Haarfarben, dunklen Texti lien, Fahrradschläuchen oder –griffen oder Schuhen.

Was tun bei einem Kontaktekzem?

Bei den ersten Anzeichen einer Allergie sofort einen Arzt oder Facharzt für Dermatologie aufsuchen und das Ekzem fachgerecht behandeln lassen. Erwähnen Sie, dass Sie ein Henna Tattoo hatt en und wann Sie die Symptome erstmals bemerkten. Trotz Therapie kann sich die Abheilung des Ekzems über drei bis vier Wochen hinziehen. Die Hautrötung kann sogar noch Monate später sichtbar sein, und in vielen Fällen kann es auch zu bleibenden, unschönen Pigmentflecken bis hin zur Narbenbildung kommen.

Wichtig: AllergikerInnen müssen künftig ihr ganzes Leben lang, jeden noch so geringen Kontakt mit dem Inhaltsstoff PPD und ähnlichen Substanzen wie PTD meiden.

Achtung: Berufskrankheiten

Friseure und Friseurinnen, DruckerInnen, SchuhverkäuferInnen oder ArbeiterInnen in der Textil-, Gummi-, und Chemiebranche kommen besonders häufig in Kontakt mit PPD. Sie sollten stets Handschuhe tragen und ihre Haut mit speziellen Schutz- und Pflegesalben schützen. Wer bereits eine Allergie ausgebildet hat, dem bleibt gezwungenermaßen oft nur der Berufswechsel.

Tipps – So schützen Sie sich

  • Keine Gefahr im Alltag: PPD wird in den Alltagsgegenständen wie Textilien und Haarfarben in einer so geringen Konzentration verwendet, dass die Wahrscheinlichkeit einer Sensibilisierung extrem niedrig ist.
  • Lesen Sie vor der Verwendung von Haarfärbemitteln immer die Gebrauchsanweisung durch und beachten Sie die enthaltenen Sicherheitshinweise! Sollte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine allergische Reaktion auftreten, ersuchen wir Sie eindringlich, diese unerwünschte Wirkung der zuständigen Lebensmittelaufsichtsbehörde Ihres Bundeslandes zu melden (Siehe Kosmetika - Meldung von unerwünschten Wirkungen).
  • Meiden Sie Henna-Tattoos: Ob PPD beigemischt wurde, ist für den Laien meist nicht ersichtlich und im Urlaubsland wird hierüber kaum Auskunft erteilt. Ein Hinweis kann die dunkle Farbe sein, muss aber nicht.
  • Kinder und Jugendliche: Informieren Sie Ihre Kinder über die Gefahren und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Es gibt andere Urlaubserinnerungen, die genauso cool sind.
  • Kontakt-Ekzeme – was tun: Lassen Sie sich von einer Hautärztin oder einem Hautarzt behandeln. Wenn Sie ein Henna-Tattoo hatten, weisen Sie darauf hin.

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