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Tollwut - Krankheit - Schutz - Vorsorge

Die Definitionen für den Begriff „Tierschutz" sind ebenso zahlreich, wie Vereinigungen, die sich diesem Thema verschrieben haben.

Mit diesem Artikel sollen jedoch die Aspekte des Tierschutzes im Zusammenhang mit der Gesundheit – jener von Tier UND Mensch – näher beleuchtet werden.

Was haben nun die beiden Bereiche Tierschutz und Tier-/Mensch-Gesundheit gemeinsam und wo gibt es (noch) Diskrepanzen?

Sowohl der Tierschutz als auch die Gesundheit von Menschen und Tieren sind gesetzlich geregelt und liegen im Verantwortungsbereich des Bundesministers für Gesundheit. Der Mensch zieht aus der Haltung von Tieren Vorteile (landwirtschaftliche Nutztiere, Haustiere) und ist daher auch für ihr Wohlergehen verantwortlich. Zum Wohlergehen der Tiere gehört aber auch die Gesundheit und für jeden Tierbesitzer muss es eine Selbstverständlichkeit sein, für die Gesundheit seiner Tiere zu sorgen.

Obwohl Mensch und Tier auch oft auf engem Raum zusammen leben und bestimmte Erreger zu Krankheiten bei Menschen und Tieren (sogenannte Zoonosen) führen können, wird die Bedeutung der Gesundheit manchmal unterschätzt – vielleicht auch deshalb, weil sich Österreich in der glücklichen Lage eines hohen Gesundheitsstandards befindet. Viele Krankheiten bzw. Seuchen sind ausgerottet, gegen viele gibt es Impfstoffe oder Heilmittel.

Die wohl gefährlichste aller Krankheiten, die gleichermaßen Mensch und Tier betrifft (= Zoonose), ist die Tollwut. Sie fordert jedes Jahr ca. 55.000 Todesopfer (offiziell von der WHO gemeldet).

Verursacht wird die Tollwut durch ein Virus, das von infizierten Tieren mit dem Speichel ausgeschieden wird. Durch Bissverletzungen eines an Tollwut erkrankten Tieres gelangt virushältiger Speichel in den Körper. Innerhalb kurzer Zeit wandert das Virus in die Nervenzellen ein und entlang der Nerven weiter Richtung Rückenmark und Gehirn.

Achtung: tollwutinfizierte Tiere scheiden Virus aus, bevor die Krankheit klinisch manifest wird!

Vom Gehirn breitet sich das Virus entlang der peripheren Nerven und Hirnnerven in verschiedene Organe aus. So gelangt es auch zur Speicheldrüse des infizierten Tieres und kann dann zur Weiterverbreitung führen, denn die Erkrankung ist bei vielen Tierarten mit erhöhter Aggressivität verbunden.

Die Geschwindigkeit der Wanderung des Virus in das Zentralnervensystem hängt von der Stelle des Bisses ab. Am gefährlichsten sind demnach Bisse ins Gesicht bzw. sehr tiefe Bisse, bei denen infizierter Speichel direkt in die Blutbahn gelangt. Hier ist die Inkubationszeit (Zeit von der Infektion bis zum Auftreten der klinischen Symptome) sehr kurz; sie kann zwischen 10 und 276 Tage betragen.

Die postexpositionelle Behandlung nach einem Biss ist nur dann wirksam, wenn das Virus noch nicht die Nervenbahnen erreicht hat.

Achtung: eine Tollwutinfektion ist in beinahe allen Fällen tödlich!

Man unterscheidet einerseits die urbane Wut, bei der Hund und Katze die Hauptüberträger sind und andererseits die silvatische Wut, die durch wildlebende Fleischfresser (z.B. Fuchs) übertragen wird. Die Fledermaustollwut wurde in Österreich bisher noch nie nachgewiesen; sie wird durch blutleckende Fledermäuse übertragen.

Die Tollwut verläuft klassisch in drei Stadien:

  1. Prodromalstadium – gekennzeichnet durch verändertes Verhalten, Scheu, Nervosität, Gereiztheit, Schluckbeschwerden, Speichelfluss, Scheu vor Wasser (Hydrophobie) – dauert drei Tage. Ursache für diese Symptome ist eine Encephalitis. Dieses Stadium kann auch übersehen werden.
  2. Exzitationsstadium – Unruhe und Aufregung verbunden mit Aggressivität. Man spricht auch von rasender Wut, wenn das Exzitationsstadium sehr ausgeprägt ist.
  3. Paralysestadium – geprägt von Lähmungserscheinungen. Kurz vor dem Tod kommt es zu Lähmungen, die bei der Gesichtsmuskulatur beginnen und auf Rumpf- und Gliedmaßenmuskulatur übergehen. Fehlt das Exzitationsstadium und ist nur das Paralysestadium zu beobachten, spricht man von stiller Wut. Das Paralysestadium dauert drei bis vier Tage und führt zum Tod.

Hauptsymptome der Tollwut bei den einzelnen Tierarten:

Hund:

beim Hund werden die rasende und die stille Wut beobachtet. Die rasende Wut ist gekennzeichnet durch Veränderungen im Wesen, Zunahme der Aggressivität, Schnappen nach Gegenständen, heiseres Bellen, der Speichel kann nicht mehr abgeschluckt werden und ist als Schaum vor dem Maul sichtbar. Danach kommt es zu Lähmungen der hinteren Extremitäten und der Rumpfmuskulatur, zur Erschöpfung und Entkräftung und schließlich zum Tod.

Schwerer zu erkennen ist die stille Wut beim Hund. Hier ist die Wesensveränderung und Aggressivität weniger bis gar nicht ausgeprägt, sondern Lähmungserscheinungen oder Krämpfe stehen im Vordergrund.

Katze:

Der Verlauf der Tollwut bei der Katze ist ähnlich wie beim Hund. Die Katzen verkriechen sich aber gern zu Beginn der Erkrankung. Im weiteren Verlauf greifen sie andere Tiere (besonders Hunde) und den Menschen an.

Rind:

meist wird beim Rind die stille Wut beobachtet; die Tiere ändern ihr Verhalten, was sich in erhöhter Neugierde und Erregbarkeit, aber auch Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen äußert. Auch Speichelfluss und Hydrophobie (= erhöhte Erregbarkeit vor dem Anblick oder Geräusch von Wasser) kommen vor. Oftmals drängen die Tiere ständig auf Kot und Harn und krümmen dabei den Rücken. Es kommt auch vor, dass die Rinder gegen die Wand drängen und sich dabei Verletzungen zuziehen (Hornbruch, Verhängen in der Kette).

Pferd: Pferde zeigen kolikartige Erscheinungen und Unruhe (Benagen der Krippe, Scharren mit den Hufen) sowie vermehrte Auslösbarkeit von Reflexen. Auch bei Pferden ist der Speichelfluss vermehrt und der Schlundkopf gelähmt. Bei manchen Tieren ist häufiges Liegen oder schwankendes Stehen mit gesenktem Kopf das Hauptsymptom.

Schwein:

bei Schweinen werden vermehrte Schreckhaftigkeit, heiseres Grunzen, unruhiges Umherlaufen und schließlich Lähmungen beobachtet.

Schafe und Ziegen:

die Tiere sind höchst unruhig, zeigen vermehrten Geschlechtstrieb, können plötzlich zusammenbrechen und leiden dann an Lähmungserscheinungen.

Geflügel:

Beim Geflügel kommt die Tollwut sehr selten vor. Die Tiere sind schreckhafter, haben Gleichgewichtsstörungen und schließlich Lähmungen.

Wildtiere:

Das auffälligste Symptom bei Wildtieren ist der Verlust der natürlichen Scheu. Es wird jedoch heute immer häufiger beobachtet, dass gerade Füchse die Nähe der Menschen suchen. Das hat den einfachen Grund, dass die Population sehr groß ist und der Fuchs als sogenannter „Kulturfolger" die Speisereste z.B. auf Campingplätzen oder in der Nähe von Mülltonnen sucht. Leider kommt es immer wieder vor, dass solche Füchse dann auch bewusst gefüttert werden.

Feststellung (Diagnose) der Tollwut

Eine sichere Diagnose kann nur am toten Tier gestellt werden. Mit Hilfe des Immunofluoreszenzverfahrens am Abklatschpräparat des Gehirns werden sogenannte „Negri-Körperchen" beobachtet, die typisch für die Tollwut sind. Nicht oft genug muss betont werden, dass eine Virusausscheidung durch ein infiziertes Tier schon vor dem Auftreten der Symptome erfolgt. Das bedeutet, dass ein Tier mit normalem Verhalten tollwütig sein kann!

Bekämpfung der Tollwut

Die Tollwut ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Eine Behandlung ist nicht möglich. Allen Hunde- und Katzenbesitzern ist die prophylaktische Impfung gegen die Tollwut bekannt; auch exponierte Berufsgruppen – wie z.B. Tierärztinnen und Tierärzte, Jägerinnen und Jäger – können sich vorbeugend gegen die Tollwut impfen lassen. Diese Impfung ist auch bei Reisen in bestimmte Länder empfohlen.

Nachdem die silvatische Wut in Mitteleuropa hauptsächlich durch Füchse verbreitet wurde, wurde eine Impfstrategie entwickelt, um möglichst einen hohen Prozentsatz der Fuchspopulation vorbeugend zu immunisieren. Haben ca. 80 % einer Population einen aktiven Schutz gegen eine Infektionskrankheit, so kann sich diese nicht mehr von Individuum zu Individuum verbreiten. Ein abgeschwächter Impfstamm des Tollwutvirus wird in einen Plastikblister verpackt und mit Fischmehl ummantelt. Diese Köder wurden zu Beginn mit der Hand von Jägern ausgelegt; zunehmend erfolgte aber eine Umstellung auf Abwurf der Köder aus Flugzeugen. Die Köderdichte und der Zeitraum der Köderauslage müssen auf die Lebensweise der Füchse abgestimmt sein und die Kühlkette der Köder darf nicht unterbrochen werden, um die Wirksamkeit des Impfstoffes aufrecht zu erhalten.

Ob eine orale Immunisierung erfolgreich war, wird an einer bestimmten Anzahl von Kontrollfüchsen, die von Jägerinnen und Jägern an das nationale Referenzlabor für Tollwut (AGES, Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling) überprüft (u. a. durch die Feststellung der Antikörperbildung).

Situation in Österreich

Die urbane Wut wurde in Österreich bereits 1950 getilgt. Die silvatische – durch Füchse und andere Wildtiere übertragene – Wut trat nach dem Zweiten Weltkrieg in mehreren Seuchenwellen auf und erreichte in den 90er Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts ihren Höhepunkt mit mehr als 2.500 Fällen pro Jahr. Davon betrafen 73 Fälle Haustiere und ca. 400 Fälle andere Wildtiere als Füchse.

Durch ein aufwändiges und kostenintensives Programm zur oralen Vakzinierung (Beimpfung mit Ködern) der Füchse von 1991 bis 2012 und eine ständige Überwachung der Fuchspopulation konnte erreicht werden, dass Österreich sich im Jahr 2008 als frei von Tollwut erklären konnte. Die Impfaktionen bei den Füchsen wurden deshalb fortgesetzt, weil die Seuchensituation in unseren südlichen Nachbarländern befürchten ließ, dass tollwütige Füchse erneut nach Österreich einwandern könnten.

Seit dem Jahr 2013 ist eine Impfung der Füchse nicht mehr notwendig.

Situation weltweit

Die Grafik zeigt, dass die Tollwut immer noch weltweit verbreitet ist. Einige Länder (hauptsächlich Inseln) sind frei von Tollwut.

Rabies Free Countries Sourced 2010Quelle Wikimedia

Gefahren der Reinfektion

In den Jahren 1991 bis 2011 wurden in Österreich für die Bekämpfung der Tollwut ca. 16 Millionen Euro aufgewendet. Eine der gefürchtetsten Zoonosen konnte erfolgreich ausgerottet werden!

Diese Situation gilt es unter allen Umständen zu erhalten. Was können wir dazu beitragen, um die Gesundheit unserer Haustiere, aber auch der österreichischen Bevölkerung vor einer Tollwutinfektion zu schützen?

Reiseverkehr:

Information über das bereiste Land einholen und falls erforderlich, eine prophylaktische Impfung vornehmen lassen.

Weitere Informationen betreffend der Mitnahme von Tieren im Zuge des Reiseverkehrs finden Sie unter Reiseinformationen.

(Oktober 2012)

Zusatzinformationen: