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Einleitung

Es muss festgestellt werden, dass für komplementäre Methoden häufig der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit fehlt. Ihre Anwendung beruht auf Erfahrung und subjektiver Beurteilung von Patientinnen und Patienten und Behandlern. Daher ist die Abgrenzung zwischen Placebo-Effekt (der für den Krankheitsverlauf durchaus nützlich sein kann und oft auch bei schulmedizinischer Behandlung genutzt wird) und Wirksamkeit schwierig.

Das Hauptinteresse des öffentlichen Gesundheitssystems in diesem Zusammenhang liegt darin, dass durch die Anwendung komplementärmedizinischer Methoden Patientinnen und Patienten keinen Schaden erleiden und nicht von wirksamen schulmedizinischen Behandlungen abgehalten werden.

Komplementäre Methoden werden in den Medien sehr stark beworben und müssen auch vor dem Hintergrund ökonomischer Interessen der AnbieterInnen beurteilt werden. Gerade deshalb ist es enorm wichtig, Bürgerinnen und Bürgern eine objektive und neutrale Information zur Verfügung zu stellen.

Das Bundesministerium für Gesundheit möchte mit dieser allgemeinen Empfehlung für den Umgang mit Komplementärmedizin und sonstigen komplementären Methoden Patientinnen und Patienten bzw. Konsumentinnen und Konsumenten bei ihrer eigenverantwortlichen Entscheidung für oder gegen eine komplementärmedizinische oder sonstige komplementäre Methode im Sinne von „patient empowerment“ unterstützen.

Informierte Patientinnen und Patienten mit Gesundheitskompetenz („health literacy“) sind wesentliche Punkte zur Förderung der Gesundheit in unserem Gesundheitssystem.

In diesem Schwerpunkt werden die rechtlichen Rahmenbedingungen sowohl für die Komplementärmedizin als auch für den Bereich sonstiger komplementärer Methoden im nicht medizinischen Bereich zusammengefasst. Es wird aufgezeigt, welche gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe, aber auch welche Gewerbe mit Gesundheitsbezug Komplementärmedizin bzw. sonstige komplementäre Methoden anwenden. Eine Fragenliste soll die Patientinnen und Patienten bzw. Konsumentinnen und Konsumenten bei ihrer eigenverantwortlichen Entscheidung für oder gegen eine komplementärmedizinische oder sonstige komplementäre Methode unterstützen.

Die Diagnostik, Behandlung bzw. Therapie von Krankheiten oder krankheitswertigen Störungen ist in Österreich gesetzlich geregelten Gesundheitsberufen vorbehalten. Anderen Personen sind diese Tätigkeiten verboten.

Bei Anbieterinnen und Anbietern, die keine Ausbildung in einem Gesundheitsberuf absolviert haben, ist auf Grund fehlender medizinischer Grundkompetenzen nicht gewährleistet, dass sie Krankheiten oder krankheitswertige Störungen erkennen und die Klientin oder den Klienten an eine Ärztin oder Arzt verweisen. Es besteht daher die Gefahr, dass eine notwendige medizinische Behandlung verabsäumt wird.

Eine Bewertung der Wirksamkeit einzelner komplementärer Methoden kann nicht angeboten werden. Grundsätzlich müssen jedoch auch komplementäre Methoden evaluiert werden, um eine optimale und sichere Anwendung zu gewährleisten. Es fehlen jedoch häufig Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit.

Die Information wurde im Rahmen eines Arbeitskreises vom Bundesministerium für Gesundheit mit externen Experten erarbeitet, diesen gebührt besonderer Dank.