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Zahnstatus 2011: Sechsjährige in Österreich

Das WHO-Postulat 2020 „Kariesfreiheit bei 80 Prozent der Sechsjährigen“ wird in Österreich bei gleichbleibendem Trend nicht zu erreichen sein. Ein hoher Anteil an Milchzahnkaries und ein geringer Grad an Sanierung dokumentieren Lücken in der Prävention und Versorgung. Das zeigen die Ergebnisse der Zahnstatuserhebung, die die GÖG/ÖBIG zusammen mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversiche-rungsträger in Kooperation mit den Bundesländern und mit Unterstützung des Fonds Gesundes Österreich zwischen November 2011 und März 2012 in ersten Volksschulklassen durchführte.

Karies ist sozial determiniert. Auf ein Viertel der Sechsjährigen konzentrieren sich mehr als drei Viertel (81 %) der diagnostizierten kariösen Läsionen. Der sozioökonomi-sche Status der Familie spielt bei der Zugehörigkeit zur Kariesrisikogruppe eine bedeutende Rolle.

Kinder mit Eltern aus sozial schwachen Schichten, geringerem Bildungsgrad (ohne Matura) und/oder Migrationshintergrund leiden in viel zu hohem Ausmaß an kariösen, unbehandelten und hygienisch vernachlässigten Milchzähnen.

Insgesamt zeigen die Daten im Beobachtungszeitraum 1996 bis 2012 aber einen positiven Entwicklungstrend auf. Der Rückgang von Milchzahnkaries setzt sich, wenn auch sehr langsam, kontinuierlich fort und schneidet damit im europäischen Vergleich gut ab. Gegenwärtig ist österreichweit gut die Hälfte (52 %) der Sechsjährigen kariesfrei (d3mft = 0). Mehr als ein Drittel (39 %) verfügt sogar über vollkommen gesunde Milchzähne (d1+2+3mft = 0) ohne jegliche kariöse Spuren. In den Milchgebissen dieser Kinder finden sich auch keinerlei Kariesvorstufen-Läsionen. Der Kinderanteil mit „völlig gesunden Milchgebissen“ stieg innerhalb der letzten 15 Jahre erfreulicherweise um 32 Prozentpunkte an.

Seit dem Jahr 1996 ist im Milchgebiss auch eine stetige Reduktion der Kariesprävalenz (d3mft-Index) zu verzeichnen. Gegenwärtig finden sich in den Milchgebissen der Sechsjährigen im Mittel 2,1 von Karies betroffene Zähne. Im Vergleich zum Erhebungs-jahr 1996 halbierte sich der durchschnittliche Kariesbefall (d3mft-Index).

Alarmierend ist das unverändert hohe Sanierungsdefizit (60 Prozent nicht versorgte Defekte). Jedes dritte Kind ist davon betroffen. Unbehandelte Karies an Milchzähnen kann das ganze Gebiss anstecken und führt zu Schmerzen und Fehlstellungen der bleibenden Zähne.

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