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Masernkampagne

Masern - Situation in Österreich

Masernausbruch im Jahr 2015 

In Österreich ist die Zahl der Masernfälle 2015 mit 309 Fällen auf das höchste Niveau seit 2008 gestiegen (2008: 443 Fälle). Noch immer besteht hierzulande keine ausreichende Herdenimmunität, um die Verbreitung dieser Infektionen zu verhindern.

Erkrankungsfälle traten in allen Altersgruppen auf. Besonders bedauerlich und gefährlich waren 9 Infektionen bei Kindern unter einem Jahr, die nur durch eine Herdenimmunität hätten vermieden werden können. Zudem traten 35 Infektionen in der Altersgruppe der 1- bis 4-Jährigen auf. Somit erkrankten insgesamt 44 Säuglinge und Kleinkinder vor dem 5. Lebensjahr.

In dieser Altersgruppe ist das Risiko stark erhöht (1:1700 bis 1:3300), noch Jahre später eine tödliche Gehirnentzündung zu entwickeln, die auf die Masernerkrankung zurückzuführen ist. Gehirnentzündungen (subakut sklerosierende Panenzephalitis, SSPE) enden immer tödlich. Dem Tod geht ein langer Leidensweg der betroffenen Kinder und Jugendlichen voraus.

Wie bereits 2014, kam es auch 2015 zu einer Reihe von durch Impfung vermeidbaren Virusübertragungen im Spitalsbereich und beim medizinisch tätigen, nicht geschützten Personal (in insgesamt 7,5% der Fälle!) in zum Teil sehr heiklen medizinischen Bereichen wie Neonatologie und Kinderheilkunde.

WHO: Masern bis 2020 weltweit ausrotten

Das Ziel der WHO ist, Masern bis 2020 weltweit auszurotten. Dafür sind Durchimpfungsraten von 95% nötig. Um dem Maserneliminationsziel näher zu kommen, wurde am 12. Jänner 2014 seitens des BMG eine Masern-Impfkampagne initiiert.

Erste Evaluierungen zeigen, dass die Durchimpfungsraten mit der ersten Dosis der Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) der 1-Jährigen 2015 so hoch war wie nie zuvor. Dies lässt auf sehr hohe Durchimpfungsraten der 2-Jährigen im kommenden Jahr 2016 hoffen. Die 2. Teilimpfung wurde bei 2-Jährigen 2015 konsequenter durchgeführt und bei älteren Kleinkindern in sehr vielen Fällen nachgeholt.

Binnen 2 Jahren wurde außerdem der MMR-Impfschutz von 15.000 bis 30.000 Erwachsenen aktualisiert, also Impflücken geschlossen. Dennoch zeigt der Masernausbruch 2015 in Österreich, dass die Bestrebungen nicht enden dürfen, weitere Maßnahmen zu setzen, um das Bewusstsein in der Bevölkerung zur Wichtigkeit der Masernimpfung zu stärken. Auch bei Kleinkindern bestehen nach wie vor Impflücken, die noch zu schließen sind. 

Österreich im europäischen Vergleich Schlusslicht

Europaweit (EU/EEA-Länder) liegt Österreich mit einer Inzidenz von 35,3 gemeldeten Fällen von Masern pro 1 Million Personen an zweiter Stelle nach Kroatien (Kroatien 51,6 Fälle pro 1 Million EinwohnerInnen). An dritter Stelle liegt Deutschland mit 30,5 Fällen pro 1 Million Personen, wobei es in Deutschland 2015 zu einem Todesfall bei einem Kleinkind im zweiten Lebensjahr kam. Europaweit traten sechs Fälle der gefürchteten, akuten Masernencephalitis (Gehirnentzündung) auf.

Impfung

In Österreich steht die Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) für alle Altersgruppen ab dem vollendeten 10. Lebensmonat kostenfrei an öffentlichen Impfstellen zur Verfügung. Bei der MMR-Impfung werden zwei Impfungen im Abstand von mindestens vier Wochen empfohlen. Sind zwei Impfungen verabreicht, besteht lebenslange Immunität. Die Impfungen sollten idealer Weise vor dem 2. Geburtstag erfolgt sein, können jedoch in jedem Lebensalter nachgeholt werden.

Da Kinder erst ab dem vollendeten 10. Lebensmonat geimpft werden, in Ausbruchssituationen ab dem vollendeten 9. Lebensmonat (in speziellen Ausnahmefällen sogar ab dem vollendeten 6. Lebensmonat), ist es von besonderer Bedeutung, hohe Durchimpfungsraten in der Bevölkerung zu erzielen. Die Impfung jeder einzelnen Person trägt dazu bei, eine Herdenimmunität aufzubauen und somit die besonders gefährdete Gruppe der Säuglinge und anderer Personen, die nicht geimpft werden können (wie z.B. Personen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche, ungeimpfte Schwangere), zu schützen.

Wurden die Masern nicht durchgemacht und wurden nicht 2 Impfungen gegen Masern verabreicht, so sollte die Impfung in jedem Lebensalter nachgeholt werden, auch bei Erwachsenen.

Nebenwirkungen wie leichtes Fieber und Ausschlag können bei circa jedem 10. Impfling auftreten, sind aber in der Regel harmlos und sehr viel schwächer ausgeprägt als bei der Wildinfektion (Siehe Informationen zu Nebenwirkungen).

Masern - Symptome und Krankheitsverlauf

Die meldepflichtige Viruserkrankung Masern ist weltweit verbreitet und wird durch Tröpfcheninfektion, also Tröpfchen, die sich beim Sprechen, Niesen und Husten bilden, übertragen.

Die Inkubationszeit (das ist die Zeit zwischen Kontakt mit der Erkrankung und dem Ausbruch der Erkrankung) beträgt normalerweise 8 bis 10 Tage bis zum katarrhalischen Stadium (unspezifische Symptome wie Fieber, Husten, Schnupfen, gerötete Augen), 14 Tage bis zum Beginn des Hautausschlags (Masernexanthem: bräunlich-rosafarbene Flecken, die ineinander fließen). Bis zum Beginn des Fiebers können aber auch 18 Tage vergehen.

5 Tage vor bis 4 Tage nach dem Auftreten des Hautausschlags, der typischerweise im Gesicht und hinter den Ohren beginnt und 4-7- Tage anhält, ist die Erkrankung sehr ansteckend. Am 5. bis 7. Krankheitstag sinkt die Temperatur, der Ausschlag heilt unter Bildung kleieartiger Schuppen ab.

Die Infektion mit Masernviren hat eine 4 bis 6 Wochen anhaltende Immunschwäche zur Folge, während der Sekundärinfektionen auftreten können. Besonders gefürchtet ist die in 0,1 % der Fälle auftretende Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns mit Kopfschmerzen, Fieber und Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, die 4-7 Tage nach Beginn des Hautausschlags auftreten kann und oft tödlich endet.

Vorsichtsmaßnahmen bei Masernverdacht

Das BMG weist auf die dringende Einhaltung folgender Vorgehensweise bei Krankheitsverdacht hin: Bei Verdacht auf Masern, oder Auftreten von unspezifischen Symptomen wie Schnupfen, Fieber, geröteten Augen oder anderen grippeähnlichen Symptomen nach bekanntem Masernkontakt, UNBEDINGT die Ärztin bzw. den Arzt oder das Krankenhaus VORHER telefonisch kontaktieren, damit eine Übertragung in Warteräumen und Ambulanzen verhindert werden kann.

(22.4.2016)

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