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Impfung, Foto: Sura Nualpradid - Fotolia.com

Erweiterungen im Kinder-Impfprogramm

Das Gesundheitsministerium bietet aktuell zwölf Gratis-Impfungen für Kinder an. 2012 wurde das Kinder-Impfkonzept um zwei Gratis-Impfungen erweitert. Mit Februar 2014 wurde auch die Impfung gegen HPV als fixer Bestandteil in das kostenlose Kinder-Impfprogramm aufgenommen.

  • Pneumokokken für alle Kinder ab Geburtsstichtag 1. 9. 2011 nach dem 2+1 Schema (3., 5. und 12. Lebensmonat). Risikokindern steht die Gratisimpfung bis zum vollendeten 5. Lebensjahr zur Verfügung.
  • Meningokokken für alle 12-jährigen Kinder. Die Impfung erfolgt einmal (4-fach konjugierte Mengingokokkenimfung A,C,Y, W135).
  • HPV für alle Kinder in der 4. Schulstufe (ab dem vollendeten 9. Lebensjahr). Zusätzlich wird die Impfung an öffentlichen Impfstellen der Bundesländer und/oder von niedergelassenen ImpfärztInnen bis zum vollendeten 12. Lebensjahr (= 12. Geburtstag) kostenfrei angeboten. Die Impfung erfolgt in zwei Teilimpfungen im Abstand von mindestens sechs Monaten.

Pneumokokken:

Pneumokokken sind Bakterien, die im Nasen-Rachenraum auftreten und Blutvergiftung, Meningitis, Lungenentzündung oder Mittelohrentzündung verursachen können. Übertragen werden Pneumokokken über Tröpfcheninfektion. Pro Jahr meldet die nationale Referenzzentrale österreichweit mehr als 300 Pneumokokken-bedingte invasive Erkrankungen mit einer Sterblichkeit von 7 Prozent. Auch kommt es häufig zu bleibenden Folgeschäden wie Hörverlusten, Entwicklungsschwächen oder Konzentrationsschwächen.

Meningokokken:

Meningokokken sind Bakterien, die sich im Nasen-Rachenraum ansiedeln und Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis) und Blutvergiftung (Meningokokken-Sepsis) auslösen können. Übertragen werden Meningokokken über Tröpfcheninfektion. In Österreich treten vor allem bei Kleinkindern und Jugendlichen jährlich bis zu 100 schwere Meningokokken-Erkrankungen auf. Bis zu 13 von 100 der Betroffenen versterben an den Folgen ihrer Infektion. Bei den Überlebenden bleiben oft schwere Gesundheitsschäden.

HPV (Humane Papilloma-Viren):

Humane Papilloma-Viren (HPV) sind eine Gruppe von DNA-Viren, die die menschliche Haut- und Schleimhautzellen infizieren und dabei gutartige warzenähnliche Hautveränderungen (Papillome) sowie Karzinome verursachen können. Einige HPV-Typen (sogenannte „high risk types“) gelten allerdings als Ursache für die Entwicklung bösartiger Tumore. Dazu zählen insbesondere die meist durch Geschlechtsverkehr übertragenen Typen HPV 16 und HPV 18. Diese verursachen einen Großteil der Zervix-Karzinome (Gebärmutterhalskrebs), aber auch andere Krebsformen, sowohl im Genitalbereich als auch im HNO-Bereich. Zervix-Karzinome stellen weltweit die zweithäufigste Krebsform und die dritthäufigste Krebstodesursache bei Frauen dar.

Die Übertragung der Humanen Papilloma-Viren (HPV) geschieht nur durch direkten körperlichen Kontakt (z.B. Geschlechtsverkehr), wobei die Viren durch kleinste Verletzungen in die Haut- und Schleimhautzellen eindringen können. Die Übertragung erfolgt am häufigsten durch sexuelle Kontakte. Ebenso können bei der Geburt die Viren von der Mutter auf das Kind übertragen werden.

Die Impfung wird für alle in Österreich lebenden Mädchen und Buben in der vierten Schulstufe (vollendetes neuntes Lebensjahr) kostenfrei im Rahmen des bestehenden Schulimpfprogramms angeboten. Die Kinder werden in der Schule geimpft, in einigen Bundesländern auch an öffentlichen Impfstellen und bei niedergelassenen KinderärztInnen. Der Impfstoff wird in zwei Teilimpfungen im Mindestabstand von sechs Monaten verabreicht. Ab Februar 2014 wird diese Impfung in das Nationale Impfkonzept aufgenommen.

Auch Kinder ab dem vollendeten 9. Lebensjahr bis zum vollendeten 12. Lebensjahr erhalten dann die Impfung kostenlos an den öffentlichen Impfstellen der Bundesländer. Zusätzlich bieten die Bundesländer für Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr Catch-up Impfungen zum vergünstigsten Selbstkostenpreis an.

Die Impfstoffe werden intramuskulär verabreicht. Mittels Impfstoff werden leere Virushüllen injiziert, welche einen lang anhaltenden Impfschutz induzieren. Im Falle einer HPV-Infektion wird das Virus zerstört.

Die Einführung der kostenlosen HPV-Impfung ersetzt nicht die empfohlenen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen mit Pap-Abstrich oder etwaige notwendige Behandlungen.

Wo kann ich mein Kind impfen lassen?

  • Niedergelassene Kinderärztin und Kinderarzt oder niedergelassene Ärztin und  Arzt für Allgemeinmedizin (Suche Ärztin/Arzt)
  • Öffentliche Impfstellen der Bundesländer: Bezirksgesundheitsämter, Bezirkshauptmannschaften, Elternberatungsstellen (Impfstellen-Auskünfte der Bundesländer)
  • Gesundheitszentren der Sozialversicherung
  • Die Meningokokken- und die HPV-Impfung wird im Rahmen der Schulimpf-Aktionen angeboten

Wo erhalte ich kostenlose Impfstoffe?

Sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt keine Hausapotheke führen, erhalten Sie den Impfstoff mit dem sogenannten Impfscheckheft oder Impfgutscheinen auch kostenlos in der Apotheke. Sie erhalten den Impfstoff auch direkt und kostenlos in den behördlichen Impfstellen und in den Gesundheitseinrichtungen der Sozialversicherung.

Allgemeine Information zum Kinder-Impfkonzept:

Die Weiterentwicklung der Impfstoffe in den neunziger Jahren hatte dazu geführt, dass immer mehr Kombinationsimpfstoffe auf den Markt kamen. Die Preise dieser Produkte waren jedoch für viele Eltern nicht mehr tragbar. Daher wurde im Jahre 1997 von Gesundheitsministerin Hostasch das Impfkonzept ins Leben gerufen mit dem klaren Ziel, dass alle in Österreich lebenden Kinder kostenlos Zugang zu den volksgesundheitlich wichtigen Impfungen haben. Die Aufteilung der Gesamtkosten des Kinderimpfprogramms beträgt seither 2/3 Bund, 1/6 Länder, 1/6 Sozialversicherungen. Die Prioritäten wurden einerseits auf sehr häufig vorkommende Erkrankungen, andererseits auf seltene, sehr schwer verlaufende Krankheiten gesetzt. Eine weitere Vorgabe war, dass man die Kinder mit möglichst wenigen Stichen gegen diese Krankheiten schützt. Die eingesetzten Arzneispezialitäten werden dabei laufend nach dem Stand des Wissens neu evaluiert.