Hauptinhalt:

Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich

Vorgeschichte

Die systematische Verankerung der Palliativmedizin in Österreich erfolgte erstmals im Österreichischen Krankenanstalten- und Großgeräteplan (ÖKAP/GGP) 1999 unter dem Titel "Hospiz". Im ÖKAP/GGP 2001 wurde der flächendeckende Auf- und Ausbau von Palliativeinheiten in den Akutkrankenhäusern zwischen dem Bund und allen Bundesländern vereinbart und konkret geplant. Dies war der erste Schritt zu einem alle Versorgungsbereiche umfassenden Hospiz- und Palliativversorgungskonzept in Österreich.

Seit dem Jahr 2005 besteht zwischen dem Bund und allen Bundesländer im Rahmen der jeweils gültigen „Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens“ Einvernehmen darüber, dass „eine österreichweit gleichwertige, flächendeckende abgestufte Versorgung im Palliativ- und Hospizbereich prioritär umzusetzen“ ist.

Konzept der abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung

In diesem Zusammenhang wurde im Auftrag des Gesundheitsressorts das Konzept einer abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung von einer Expertengruppe erarbeitet. Dieses Konzept, bestehend aus einem Versorgungssystem mit sechs "Bausteinen", wurde im Jahr 2006 von einer Arbeitsgruppe, in der Bund, Länder, Sozialversicherung und Ärztekammer vertreten waren, bestätigt. Das Konzept wurde 2010 auch in den Österreichischen Strukturplan Gesundheit integriert:

Die Kurzbroschüre über das Konzept aus dem Jahr 2007 wurde nunmehr im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur von einer Expertengruppe aktualisiert und von der im Rahmen der Zielsteuerung-Gesundheit eingesetzten Fachgruppe Planung nochmals adaptiert.

Expertenkonzept für die Hospiz- und Palliativversorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Der spezifische Unterstützungsbedarf unheilbar kranker und sterbender Kinder und ihrer Familien findet in dem oben erwähnten Konzept noch wenig Berücksichtigung. Die Feststellung, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, gilt im Zusammenhang mit unheilbaren Erkrankungen umso mehr. Nicht nur die Krankheitsbilder, sondern auch die spezifischen Bedürfnisse und das Einbeziehen des familiären Umfeldes in alle Überlegungen sind Aspekte, die sich wesentlich vom Erwachsenen-Bereich unterscheiden. Hospiz- und Palliativangebote, die sich an Erwachsene richten, eignen sich daher nicht automatisch auch für Kinder.

Im Rahmen des im April 2010 vom damaligen Gesundheitsminister Stöger gestarteten Kindergesundheitsdialogs wurde dringender Handlungsbedarf im Bereich der Hospiz- und Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen konstatiert und in der erstmals im Jahr 2011 publizierten Kinder- und Jugendgesundheitsstrategie als eigenes Ziel (Ziel 19) formuliert.

In der Folge wurde ein spezifisches Konzept für die Hospiz- und Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen erstellt, das die derzeitige Versorgungssituation in Österreich beschreibt sowie die nötigen Versorgungsstrukturen darstellt und den Bedarf aufzeigt:

Prozesshandbuch für Hospiz- und Palliativeinrichtungen

Zur Förderung der Qualitätssicherung in Hospiz- und Palliativeinrichtungen hat die Bundesgesundheitsagentur die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) mit der Erstellung eines Prozesshandbuchs für Hospiz- und Palliativeinrichtungen beauftragt. Am 9.11.2012 stellte die GÖG das Prozesshandbuch der Fachöffentlichkeit vor.

Das Prozesshandbuch ist in einem mehrjährigen Entwicklungsprozess „aus der Praxis für die Praxis" entstanden. Rund sechzig Hospiz- und Palliativeinrichtungen lieferten die Grundlage für die im Handbuch abgebildeten Musterprozesse zum Betreuungsbeginn, zur Betreuung/Begleitung sowie zum Betreuungsabschluss. Das Qualitätskomitee, eine Gruppe aus Expertinnen und Experten für alle sechs Versorgungsangebote, hat das Projektteam der GÖG in der Erstellung des Prozesshandbuches unterstützt. Der Dachverband Hospiz Österreich und die Österreichische Palliativgesellschaft standen der GÖG als wichtige Kooperationspartner zur Seite.

Das Prozesshandbuch hat Empfehlungscharakter und will die Arbeit in den Hospiz- und Palliativeinrichtungen unterstützen und fördern. Als Handlungsanleitung für die Praxis trägt es zu einer österreichweit qualitativ vergleichbaren Hospiz- und Palliativversorgung bei. Darüber hinaus stellt es einen Vorreiter für Standards zur Förderung der Prozessqualität und somit einen Meilenstein der Qualitätsarbeit im österreichischen Gesundheits- (und Sozial)system dar.

Es wendet sich primär an die in den Einrichtungen Arbeitenden, vermittelt aber auch Berufstätigen in jenen Strukturen, die mit dem Hospiz- und Palliativbereich vernetzt sind, Information und Einblick in die Tätigkeit dieses spezifischen Versorgungsbereiches (das Handbuch kann auch in gedruckter Form gegen einen Selbstkostenbeitrag bei der GÖG bestellt werden).

Weitere Informationen

Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz bietet Informationen über Hospizbetreuung und Familienhospizkarenz. Weiters wurde in die vom Nationalrat Anfang Juli 2013 beschlossene Verlängerung des Pflegefonds bis 2016 nunmehr auch die mobile Betreuung durch Hospiz- und Palliativteams aufgenommen sowie die Kinderhospiz- und Kinderpalliativbetreuung als Priorität bei der Umsetzung innovativer Maßnahmen festgelegt (siehe Erläuterungen zum Bundesgesetz, mit dem das Pflegefondsgesetz geändert wird).

Zuletzt aktualisiert: 01.12.2014

Zusatzinformationen: