Hauptinhalt:

Kanarienvögel

Abstammung

Der Kanarienvogel (Serinus canaria forma domestica), auch Kanari genannt stammt vom Kanarengirlitz (Serinus canaria) ab. Dieser bewohnte ursprünglich die Kanarischen Inseln, die Azoren und Madeira. Samen und Pflanzenteile stellen den Hauptteil seiner Nahrung dar. Im Laufe von mehr als 500 Jahren hat der Mensch diesen Singvogel zu einem Haustier domestiziert. Der unüberhörbar variationsreiche, schöne Gesang hat den Kanarienvogel, der auch „Sänger im gelben Federkleid“ genannt wird, berühmt gemacht.

Kanarienrassen

Heute unterscheidet man weit über 100 Rassen. Diese lassen sich grob in drei große Gruppen unterteilen:

  • Gesangskanarien: Charakteristisch sind Reinheit und Schönheit des Gesanges (zum Beispiel Harzer Roller, Belgischer Wasserschläger, American Singer, Timbrados).
  • Farbkanarien: Neben den bekannten gelben gibt es auch weiße, rote, orange, braune, graue und andere Schläge in vielen Schattierungen.
  • Gestaltkanarien (Positurkanarien): Bestimmte Größen, Körperhaltungen und Gefiederformen - wie Locken und Häubchen - kennzeichnen diese Rassen (zum Beispiel Lizard, Pariser Trompeter).

Kanarienvögel haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 10 bis 12 Jahren. Sie erreichen ihre Geschlechtsreife mit 4 Monaten. In Gefangenschaft ist die Brutbereitschaft ganzjährig gegeben. Nach 13-14 Tagen Brutzeit, legen die Weibchen 3-5 Eier.

zum Seitenanfang

Anschaffung

Wenn Sie sich zum Kauf eines Kanarienvogels entschlossen haben, wenden Sie sich bitte an eine Tierhandlung oder an seriöse ZüchterInnen. Bedenken sie weiters, dass alle genetischen Anlagen und Verhaltensweisen der Kanarienvögel auf ein Leben im Schwarm ausgerichtet sind. Diese Vögel einzeln zu halten widerspricht grundsätzlich einer artgerechten Haltung. Der Mensch oder andere Vögel können einen Artgenossen nicht ersetzten. Ohne Artgenossen verkümmern sie.

zum Seitenanfang

Haltung

Aufgrund ihrer geselligen Lebensweise (Schwarmvögel) sind sie nicht für die Einzelhaltung geeignet. Es sollten daher mindestens zwei oder mehrere Artgenossen gehalten werden. Sie brauchen viel Bewegung und daher einen entsprechend großen Käfig oder eine Volière (großer Vogelkäfig) und täglich Freiflug. Die ganzjährige Haltung im Freien ist in einer Freivolière in Verbindung mit einem Schutzhaus möglich, wobei die Raumtemperatur 5°C nicht unterschreiten darf.

Wenn man den Tieren regelmäßig Zeit widmet, sie anspricht oder pfeift und mit Ruhe und Umsicht mit ihnen umgeht werden sie sehr leicht handzahm. Auf keinen Fall sollte man in den Käfig greifen oder sie im Flug frangen! Dies löst Panik aus. Vielmehr soll man die Vögel auf sich zukommen lassen und sie mit Leckerbissen (z.B. ein Apfelstück) anlocken. So nähern sie sich mehr und mehr an und werden allmählich vertrauter. Aber selbst handzahme Kanarienvögel sind keine Schmusetiere. Der Umgang mit ihnen muss vorsichtig erfolgen. Scheue- und Fluchtverhalten sind zu respektieren.

Mindeststandards zur Haltung nach dem Österreichischen Tierschutzgesetz

Die Tiere sind paarweise zu halten. Als Standort für den Käfig oder die Voliere ist ein heller, zugluftfreier, ruhiger Platz zu wählen. Käfige müssen in mindestens 80 cm Höhe aufgestellt und abends abgedeckt werden. Optimal wäre in einer Zimmerecke in Fensternähe. Bei freier Aufstellung im Raum müssen die Rückwand und die Seitenwände für die Geborgenheit der Vögel geschlossen sein. Die Mindestkäfiggröße für ein Pärchen beträgt 60 Zentimeter Länge, 35 Zentimeter Breite und 40 Zentimeter Höhe. Für jedes weitere Tier/Paar benötigt man 50% mehr Grundfläche. Grundsätzlich gilt: Je größer desto besser.

Es sollen nur eckige Käfige verwendet werden. Nischen und Bögen schränken die Bewegung der Tiere ein. Rundkäfige sind gänzlich ungeeignet. Kanarienvögel klettern im Gegensatz zu Wellensittichen nicht, sondern hüpfen und fliegen nur. Sie brauchen deshalb große Käfige, die diese Bewegungen ermöglichen. Die Gitterstäbe müssen so eng gesetzt sein, dass die Vögel nicht den Kopf durchstecken können.

Als Einstreu dient Vogelsand, der über wichtige Inhaltsstoffe für Verdauung, Knochenbau, Herz- und Muskeltätigkeit verfügt. Die Käfig-/Voliereneinrichtung besteht aus: Futternapf oder Automat, Trinknapf (kein Trinkautomat, da Kanarienvögel das Wasser "schlürfen") und Kalkstein oder Sepiaschale (zum Schnabelwetzen). Man sollte dem Vogel auch ein Badehäuschen zum Einhängen an die offene Käfigtüre anbieten, da Kanarienvögel regelrechte "Wasserratten" sind. Zudem fördert das Baden ihr Wohlbefinden und hält sie gesund. Am besten sollte man das Badehäuschen morgens anbieten, dann können die Federn bei Tageslicht trocknen.

Sitzstangen aus weichen Naturästen (Birke oder Weide) unterschiedlicher Stärke sollten in verschiedener Höhe so befestigt werden, dass die Vögel von Stange zu Stange hüpfen können. Je eine Stange sollte vor den Futter- und Trinknäpfen sowie dem Badehäuschen angebracht werden.

Das Badehäuschen mit zwei Zentimeter Wassertiefe soll nicht am Boden aufgestellt werden, da es sonst rasch verschmutzt. Futter- und Trinknapf sollten so angebracht werden, dass sie nicht durch Kot verunreinigt werden können. Sie sollen von außen bedienbar sein (Schutz vor Erschrecken). Eine Sepiaschale dient der Schnabelpflege und Mineralstoffversorgung. Diese wird innen an den Käfigstangen befestigt.

Täglicher Freiflug in einem vogelsicheren Raum

In Käfigen gehaltene Kanarienvögeln brauchen täglich mindestens zwei Stunden Freiflug in einem für sie sicheren Raum. Folgende Sicherheitshinweise sind zu beachten:

  • Fenster und Türen geschlossen halten, auch nicht kippen
  • Betreten und Verlassen des Raumes ohne hektische Bewegungen
  • Vorhänge vor Fensterscheiben ziehen, Spiegel abdecken
  • Kein offenes Feuer (Kamin, Kerzen), keine heißen Herdplatten, Kochtöpfe, Lampen
  • Chemikalien, Medikamente, Alkohol oder giftige Zimmerpflanzen dürfen nicht herumstehen.

zum Seitenanfang

Ernährung

Das Futter muss abwechslungsreich und ausgewogen sein.

Als Hauptfutter eignen sich täglich zirka 10 bis 15 Gramm Körner und Sämereien wie zum Beispiel Kanarienmischfutter. Dieses besteht aus Sommerrübsen, Glanzsamen, Rollhafer, Samen des Ramtillkrautes, Hanfsamen und Leinsamen.

Als Grünfutter eignen sich Obst, Salat, frische Blätter und Triebe wie zum Beispiel Apfel- und Birnenstücke, Kopfsalat, Spinat, junge Blätter und Triebe von Huflattich, Vogelmiere, Wegerich oder Löwenzahn. Alles muss frisch, ungespritzt (Vorsicht bei gekauftem Salat) und gewaschen sein.

Als Ergänzungsfutter sind gekeimte Körner (Weizen, Hafer), Weichfutter aus dem Handel und eine Sepiaschale zu empfehlen. Während der Jungenaufzucht sind auch Keimfutter und tierisches Eiweiß anzubieten. Frisches Trinkwasser muss ständig zur Verfügung stehen.

zum Seitenanfang

Gesundheit

Bei geringsten Anzeichen von Gesundheitsstörungen (aufgeplustertes Gefieder, Augenausfluss, Niesen, Durchfall, vermehrte Unruhe oder Juckreiz, vergrößerter Kropf) ist die Tierärztin bzw. der Tierarzt aufzusuchen.

Um die Gesundheit der Tiere zu wahren, sollten folgende Reinigungsvorgänge regelmäßig stattfinden:

Täglich

  • Futterreste entfernen,
  • Käfigboden, Futter- und Trinknäpfe säubern,
  • frisches Futter und Trinkwasser geben,
  • Badehäuschen reinigen und mit frischem Wasser füllen,
  • das Funktionieren des Futterautomaten prüfen;
  • Ringe kontrollieren, bei Gefahr des Einwachsens vorsichtig entfernen.

Wöchentlich

  • Käfig einschließlich Käfigboden, Sitzstangen und Äste säubern
  • sowie den Sand erneuern.

Monatlich

  • Krallenlänge überprüfen, bei übermäßigem Längenwachstum der Krallen und des Schnabels infolge unzureichender Abreibung ist das Kürzen durch die Tierärztin bzw. den Tierarzt erforderlich.

Die angegebenen Pflegehinweise verstehen sich als Richtwerte. Bei stärkerer Verschmutzung ist natürlich häufiger zu reinigen.

zum Seitenanfang

Zusatzinformationen: