Hauptinhalt:

Kaninchen

Abstammung

Das heutige domestizierte Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus forma domestica) stammt ursprünglich vom europäischen Wildkaninchen ab. Kaninchen zählen zu den beliebtesten Heimtieren, dienen aber auch als Labor- und Nutztiere. Die landwirtschaftliche Kaninchenzucht wird in Europa seit den 1950er Jahren betrieben.

Obwohl das Hauskaninchen über lange Zeit selektiv gezüchtet wurde, zeigt es noch immer die gleichen Verhaltensweisen wie seine wildlebenden Verwandten. Unterschiede zeigen sich zum Beispiel bei der Fluchtdistanz oder beim Reproduktionszyklus. Die Fluchtdistanz ist beim Hauskaninchen sehr gering, weil es an den Menschen gewöhnt ist, während das wildlebende Kaninchen rasch flüchtet. Bei Hauskaninchen dauert die Saison der Reproduktion länger als bei Wildkaninchen. Sie haben mehr Würfe im Jahr und eine höhere Wurfzahl.

Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei 7-11 Jahren. Abhängig von Größe und Rasse werden größere Kaninchen zwischen dem 4. und 5. Lebensmonat geschlechtsreif, Zwergkaninchen schon mit 3 Monaten.
Die Zuchtreife ist bei einem Alter von 6-8 Monaten anzusetzen. Kaninchen werfen ein- bis dreimal pro Jahr. Nach einer durchschnittlichen Trächtigkeitsdauer von 20-33 Tagen, bringen Zwergkaninchen 2-4 Junge zur Welt, große Rassen bis zu 10 Junge.

zum Seitenanfang

Anschaffung

Bei der Anschaffung ist zu bedenken: Kaninchen leben in sozialen Verbänden und sollen nicht allein gehalten werden. Kaninchen sollen in Gruppen, aber mindestens zu zweit gehalten werden. Jungtiere sollten nicht zu früh von der Mutter getrennt werden und daher nicht vor der 12. Lebenswoche in den Handel kommen. Tierheime und private Pflegestellen sollen beim Erwerb bevorzugt genutzt werden. Sie suchen das ganze Jahr über für viele Kaninchen ein neues Zuhause. Auch Kleintierzuchtverbände und Zoofachhandlungen bieten Kaninchen an.

zum Seitenanfang

Haltung

Kaninchen sind gesellige Tiere, sie leiden, wenn sie allein sind. Einzelhaltung ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll, wenn ein Tier krank ist oder unverträglich. Aber auch in diesen Ausnahmefällen sollte immer Sicht-, Hör- und Geruchskontakt zu anderen Kaninchen bestehen. Kaninchen brauchen einander in vielerlei Hinsicht. Sie kommunizieren miteinander und warnen sich gegenseitig bei Gefahr. Aber auch soziale Fellpflege durch Beknabbern und Belecken und Laufspiele gehören zu den sozialen Bedürfnissen der Kaninchen.

zum Seitenanfang

Meerschweinchen und Kaninchen

Meerschweinchen sind NICHT zusammen mit Kaninchen zu halten. Auch in freier Natur leben die Tiere mit Artgenossen in Kolonien und nicht mit anderen Tieren zusammen. Meerschweinchen sind Nagetiere und gehören zu einer anderen Tierordnung als Kaninchen. Ihre Verhaltens- und Lebensweise sind unterschiedlich und für ein Zusammenleben nicht geeignet.

zum Seitenanfang

Partner

Das Finden eines Partnertieres erfordert Geduld, da sich auf Anhieb nicht alle Tiere gut verstehen. Gute Chancen auf eine lebenslange Freundschaft besteht unter Häsinnen oder bei einer Häsin und einem kastrierten Rammler. Bei einer Konstellation von zwei Kaninchen sind eine Häsin und ein kastrierter Bock ideal. Bei größeren Gruppen ist es wichtig, dass nicht mehrere sehr dominante Tiere aufeinander treffen, sondern verschiedene Charaktere zusammen sind, sodass der Rang festgelegt werden kann.

zum Seitenanfang

Tiere aneinander gewöhnen

Am besten gewöhnt man Kaninchen bereits als Jungtiere aneinander, wenn die Rangkämpfe noch nicht ausgeprägt sind. Bei erwachsenen Kaninchen können Rangkämpfe mitunter sehr heftig ausfallen und es kann zu Kratz- und Bissverletzungen kommen. Bei erwachsenen Tieren muss deshalb das Zusammengewöhnen sehr langsam und schrittweise unter genauester Beobachtung der Tiere erfolgen.

zum Seitenanfang

Gehege

Für ein langes, gesundes und glückliches Kaninchenleben ist es wichtig, dass jedes Tier genügend Freiraum hat. Bei mangelnder Bewegung kann es bei Jungtieren zu Skelett- und Wirbelsäulendeformationen kommen. Bei der Haltung von Kaninchen ist deshalb zu berücksichtigen, dass sich die Tiere sehr viel bewegen können. Wildkaninchenkolonien legen weit verzweigte Kaninchenbaue an.

Ein optimales Kaninchenheim ist in jedem Fall größer, als die im Zoofachhandel üblicherweise angebotenen Käfige. Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich tolle Kaninchengehege aber recht einfach selber bauen. Dabei ist zu beachten, dass ein Gehege sowohl ein- als auch ausbruchssicher gestaltet sein muss, um die Kaninchen vor Raubtieren (Hunde, Katzen, Marder, Ratten, Greifvögel etc.) zu schützen und das Untergraben der Gehege-Umzäunung zu verhindern. Mit isolierten Höhlen und frostsicherer Wasserversorgung können Kaninchen auch ganzjährig im Freien gehalten werden.

Ein optimales Kaninchengehege soll viele verschiedene Bedürfnisse der Kaninchen abdecken: Scharren, Erkunden, Spielen, Ruhen, Verstecken usw. Entsprechende Rückzugsmöglichkeiten sollen auch den rangniedrigeren Tieren helfen ihre Ruhe zu finden. Rückzugsbereiche schaffen Sie zum Beispiel mit Röhren aus ausgehöhlten Baumstämmen. Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere schaffen Sie durch erhöhte Sitzpositionen und reiche Strukturierung durch Naturmaterialien, wie Laub, Äste, Steine, Baumscheiben und Bereiche mit Sand oder Erde.

zum Seitenanfang

Ernährung

Kaninchen zählen unter den Pflanzenfressern zu den Blattfressern und stellen hohe Ansprüche an eine gesunde und ausgewogene Ernährung. In freier Natur ernähren sie sich neben kleineren Mengen an Pilzen, Flechten, Feldfrüchten, hauptsächlich von Süßgräsern, Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern. Bevorzugt werden vor allem die blättrigen Bestandteile der Pflanzen und junge Triebe. Auch Rinde und Wurzeln mögen die Tiere.

Die Nahrung soll schmackhaft und abwechslungsreich sein und die Tiere mit wichtigen Nährstoffen versorgen. Ein Futter-Mix an unterschiedlichen Pflanzen stärkt das Immunsystem und schützt die Tiere vor Krankheiten.

HEU
Heu ist die Grundnahrung und muss immer zur Verfügung stehen. Es versorgt das Tier mit Ballaststoffen, fördert die Verdauung und gewährleistet die gewünschte Abnutzung der Zähne.

RINDEN UND ZWEIGE
Als Nage- und Beschäftigungsmöglichkeit sollten immer frische Obstbaum-, Weiden- oder Haselzweige zur Verfügung stehen.

GRÜNFUTTER
Grünfutter ist unverzichtbar. Kaninchen können täglich bis zu der Hälfte ihres Körpergewichtes an frischem Grün fressen. Einen Großteil ihrer natürlichen Nahrung machen dabei verschiedene Gräser aus. Gefüttert wird an die Jahreszeit angepasst entsprechend:

  • Gräser: Wiese
  • Kräuter: Löwenzahn, Sauerampfer, Klee, Wegeriche, Schafgarbe, Labkräuter usw.
  • Verschiedene Gemüse- und Obstsorten in kleinen Mengen

Mindestens 50% des angebotenen Grüns sollten verschiedene Gräser ausmachen, die andere Hälfte soll verschiedene gut verträgliche Pflanzen beinhalten, wie Löwenzahn, Sauerampfer, Klee, Wegeriche, Schafgarbe, Labkräuter usw.
Es ist darauf zu achten, dass das Grünfutter frei von Schadstoffen ist, nicht angewelkt und nicht verschimmelt ist.

Fütterungstipps für Grünfutter:

  • Ungewohnte Mengen oder Pflanzen sollten immer langsam angefüttert werden, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.
  • Wer die Ernährung auf frische Grünpflanzen umstellen möchte, kann mit einer Handvoll Gras und Wiesenpflanzen pro Tier und Tag beginnen und die Menge alle paar Tage verdoppeln. Die Mischung sollte zu Beginn aus Gräsern und anderen, gut verträglichen Pflanzen bestehen. Nach und nach soll das frische Grün dann nicht mehr rationiert werden, sondern frei verfügbar angeboten werden.
  • Aufgrund der verschiedenen Wirkstoffe empfiehlt es sich, Kräuter und Blätter nicht einseitig in großen Mengen anzubieten, sondern stets in einem abwechslungsreichen Gemisch.

SCHLECHT VERTRÄGLICHE NAHRUNG
Keinen Kohl füttern
oder Gemüse, das Blähungen verursachen könnte.
Getrocknetes Brot ist als Nagemöglichkeit ungeeignet. Brot weicht beim Kauen auf und fördert keinen Zahnabrieb. Brot wird zu einer klebrigen Masse, die im Magen zu Problemen führt.

NUR IN KLEINEN MENGEN FÜTTERN
Die Basis der Fütterung beim Kaninchen sollte immer Heu sein. Karotten, Pastinaken, Äpfel, Samen und Getreidekörner sind Nahrungsergänzungen und sollten nur in kleinen Mengen angeboten werden.
Pellets und Leckerlis wie Milkdrops sind energiereiche Futtermischungen und schlecht für die Verdauung.

zum Seitenanfang

Tränke

Frisches Trinkwasser muss dem Kaninchen trotz ausreichender Grünfütterung ständig zur Verfügung stehen. Standfeste Steinguttröge sind unter hygienischen Bedingungen Nippeltränken eindeutig vorzuziehen, da sie den natürlichen Trinkgewohnheiten der Tiere eher entsprechen. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle auf Verschmutzung.

zum Seitenanfang

Gesundheit

Männliche Tiere sollten wegen der früh einsetzenden Geschlechtsreife im Alter von 3-4 Monaten kastriert werden. In regelmäßigen Abständen sollten die Tiere tierärztlich betreut werden, um Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen. Zum Beispiel sind Infektionskrankheiten bei Kaninchen leider relativ häufig, gegen einige kann man das Tier aber impfen lassen. Ärztlich zu behandeln sind auch Parasitosen, Zahnerkrankungen oder fehlerhafter Zahnabrieb, die aus Gebissfehlstellungen bei Kurzköpfigkeit des Kaninchens resultieren können. Überlanges Krallenwachstum muss korrigiert werden.

zum Seitenanfang

Zusatzinformationen: