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Akutgeriatrie/Remobilisation (AG/R) und Remobilisation/Nachsorge (RNS) in Österreich

Definition, Ziele und Zielgruppen der AG/R

Akutgeriatrie/Remobilisation (AG/R) ist im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) definiert als „fächerübergreifende Primärversorgung direkt aufgenommener geriatrischer Patientinnen und Patienten sowie Weiterführung der Behandlung akutkranker geriatrischer Patientinnen und Patienten aus anderen Abteilungen (Fachbereichen) durch ein geriatrisch qualifiziertes, interdisziplinäres Team und durch ein multidimensionales Behandlungs- und Betreuungsangebot (unter Beachtung medizinischer, funktioneller, psychischer, kognitiver und sozialer Aspekte der Erkrankungen)“. Die Behandlungsziele in der AG/R umfassen die Behandlung der akuten Erkrankung, die Wiederherstellung und Erhaltung der Fähigkeit zur weitgehend selbstständigen Lebensführung, die Vermeidung weiterer Funktionsverluste, die Erhöhung der Lebensqualität und die Reintegration der Patientin bzw. des Patienten in das gewohnte Umfeld bzw. die Herstellung der Rehabilitationsfähigkeit im Falle einer Rehabilitation im Anschluss an die AG/R-Versorgung.

Die Zielgruppen der AG/R sind geriatrische Patientinnen und Patienten mit folgenden Kriterien:

  • somatische oder psychische Multimorbidität, die eine stationäre Akutbehandlung erforderlich macht,
  • Einschränkung oder Bedrohung der Selbstständigkeit durch Verlust funktioneller und ggf. kognitiver Fähigkeiten oder durch psychische Probleme im Rahmen einer Erkrankung,
  • Bedarf nach funktionsfördernden, funktionserhaltenden oder reintegrierenden Maßnahmen.

Vorgeschichte und Entwicklung der AG/R

Die österreichische Gesundheitspolitik hat in den 1990er Jahren die Weichen gestellt, um den Herausforderungen, die durch die demografische Entwicklung auf das Gesundheitssystem zukommen, adäquat begegnen zu können. Unter anderem wurde die geriatrische Akutversorgung gezielt und strukturiert etabliert. Seit 1999 wurden konkrete Standort- und Kapazitätsplanungen im damaligen Österreichischen Krankenanstaltenplan vereinbart und ab 2001 mit (Struktur)qualitätskriterien für AG/R-Einheiten ergänzt. Die Regelfinanzierung wurde im Rahmen der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) sichergestellt. Seit 2006 sind die österreichweit einheitlichen (Struktur)qualitätskriterien für AG/R im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) festgelegt. Die Standort- und Kapazitätsplanungen erfolgen im Rahmen der Regionalen Strukturpläne Gesundheit (RSG).

Die Konzeption der AG/R hat einen Trend in der Gesundheitsversorgung vorweggenommen, der erst in den letzten Jahren auch in Österreich eine breite Diskussion und Akzeptanz erfährt: die interdisziplinäre und multiprofessionelle Sicht auf die Bedürfnisse und den Behandlungsbedarf der Patientinnen und Patienten durch ein multidimensionales Behandlungs- und Betreuungsangebot. Zum Leistungsspektrum der AG/R-Einheiten zählen auch ein umfassendes Entlassungsmanagement sowie Überleitungspflege. Damit werden bereits Schritte in Richtung eines integrierten Versorgungsansatzes gesetzt, der für die Patientinnen und Patienten einen möglichst naht- und lückenlosen Übergang von einer Versorgungsstruktur in eine andere oder nach Hause gewährleistet.

Standorte der AG/R

Seit Ende der 1990er Jahre sind in vielen Akutkrankenhäusern Einheiten für AG/R entstanden. Eine Liste der derzeit bestehenden AG/R-Einheiten finden Sie hier:

Die Bundesgesundheitsagentur begleitet die Entwicklung der AG/R seit vielen Jahren mit finanzieller Unterstützung von Informations-, Beratungs- und Vernetzungsaktivitäten, des laufenden Monitorings der Entwicklungen sowie bei der Qualitätsarbeit.

Standards zur Prozessqualität in der AG/R

Ein Meilenstein in der Qualitätsarbeit für AG/R wurde mit dem „Prozesshandbuch Akutgeriatrie/Remobilisation“ gesetzt. Mit diesem Handbuch liegt nun ein zweites Kompendium mit empfohlenen Standards zur Prozessqualität vor, nachdem im Jahr 2012 das Prozesshandbuch für den Hospiz- und Palliativversorgungsbereich“ veröffentlicht wurde. Das „Prozesshandbuch Akutgeriatrie/Remobilisation“ wurde im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur „aus der Praxis für die Praxis“, d.h. unter Mitarbeit vieler Personen aus der AG/R-Praxis und mit begleitender Unterstützung durch die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), entwickelt. Es richtet sich somit unmittelbar an die behandelnden und betreuenden Personen in den AG/R-Einheiten und soll möglichst optimale Arbeitsabläufe unterstützen helfen und damit einen Beitrag dazu leisten, bestmögliche Ergebnisse für die betreuten Patientinnen und Patienten zu erzielen.

Das „Prozesshandbuch Akutgeriatrie/Remobilisation“ wurde am 16.10.2013 der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Die ebenfalls erhältliche Präsentationsunterlage stellt die Entstehungsgeschichte des Handbuchs dar.

Definition, Ziele und Zielgruppen der RNS

Remobilisation/Nachsorge (RNS) ist eine abgestufte Form der Akutversorgung zur fächerübergreifenden Weiterführung der Behandlung akutkranker Patientinnen und Patienten aus anderen Abteilungen (Fachbereichen), unabhängig von deren Alter, vorzugsweise in Krankenanstalten mit breiter Fächerstruktur. Die weiterführende Behandlung beinhaltet Diagnostik und Therapie in eingeschränktem Umfang sowie Leistungen zur Wiederherstellung der Fähigkeit zur selbstständigen Lebensführung. Die RNS ist ein Bindeglied zwischen primärer Akutversorgung und Rehabilitation bzw. ambulanter Weiterbehandlung und bietet Frühremobilisation von Patientinnen und Patienten, die entsprechend ihrem Krankheitsbild über die durchschnittliche Belagsdauer in der primären Akutversorgung hinausgehend eine ärztliche, pflegerische bzw. therapeutische Versorgung benötigen. Bei intendierter Rehabilitation im Anschluss an die RNS-Versorgung soll die Rehabilitationsfähigkeit hergestellt werden.

Die Zielgruppen sind vorwiegend Patientinnen und Patienten mit erhöhter Belagsdauer im Akutkrankenhaus mit Bedarf an abgestufter Akutversorgung bzw. an Wiederherstellung der Fähigkeit zur selbstständigen Lebensführung, insbesondere mit Indikationen wie z. B.

  • Zustand nach orthopädischen, unfallchirurgischen bzw. neurochirurgischen Eingriffen mit Funktionseinbußen im Bereich des Bewegungs- und Stützapparats,
  • chronisch therapieresistenten Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparats bzw. Schmerzzuständen,
  • internistischen Erkrankungen mit längerer Rekonvaleszenzdauer (z. B. Pneumonie).

 Österreichweit einheitliche (Struktur-)qualitätskriterien für RNS sind im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) festgelegt. Die Standort- und Kapazitätsplanungen erfolgen im Rahmen der Regionalen Strukturpläne Gesundheit (RSG).

Standorte der RNS

Eine Liste der derzeit bestehenden RNS-Einheiten finden Sie hier:

Zuletzt aktualisiert: 05.11.2015

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