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Gesundheit und Gesundheitsförderung

Gesundheitsdefinition der WHO 1948

„Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung."

Mit dieser Definition löste die WHO Gesundheit aus einer rein biomedizinischen Sichtweise und aus den engen Bezügen des professionellen Krankheitssystems. Gesundheit ist kein einmal erreichter und dann unveränderlicher „Zustand", sondern eine lebensgeschichtlich und alltäglich immer wieder neu und aktiv herzustellende „Balance".

Gesundheitsförderung:

Dieses breite Verständnis für Gesundheit bildet die Basis für den Gesundheitsförderungsansatz der WHO, der 1986 in der auch heute noch viel zitierten Ottawa-Charta für Gesundheitsförderung formuliert wurde. Ausgehend von der Deklaration von Alma-Ata zur Primären Gesundheitsversorgung (1978) ruft die Ottawa-Charta zu aktivem Handeln für das Ziel „Gesundheit für alle" auf.

„Gesundheitsförderung zielt dabei auf einen Prozess ab, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen."

Die Ottawa-Charta beschreibt dabei drei Grundprinzipien -

  1. Interessen vertreten,
  2. Befähigen und ermöglichen,
  3. Vermitteln und vernetzen

sowie fünf Handlungsstrategien

  1. Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik
  2. Gesundheitsförderliche Lebenswelten schaffen
  3. Gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen unterstützen
  4. Persönliche Kompetenzen entwickeln
  5. Gesundheitsdienste neu orientieren,

die es Personen und Gruppen ermöglichen sollen, die Kontrolle über die Gesundheit und ihre Determinanten zu gewinnen.

Die Verantwortung für Gesundheitsförderung liegt nicht nur bei dem Gesundheitssektor, sondern bei allen Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassendem Wohlbefinden hin.

Die 1997 verabschiedete „Jakarta-Deklaration" zur Gesundheitsförderung im 21 Jahrhundert bestätigt die Kernaussagen der Ottawa-Charta und setzt folgende Prioritäten der Gesundheitsförderung für das 21. Jahrhundert:

  • Förderung sozialer Verantwortung für Gesundheit
  • Ausbau der Investitionen in die Gesundheitsentwicklung
  • Festlegung und Ausbau von Partnerschaften für Gesundheit
  • Stärkung der gesundheitlichen Potenziale von Gemeinschaften und der Handlungskompetenzen des Einzelnen
  • Sicherung einer Infrastruktur für die Gesundheitsförderung

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Gesundheitsförderung in Österreich

Settingansatz und Netzwerke

Österreich hat bereits sehr früh begonnen an der Umsetzung der Forderungen der Ottawa-Charta zu arbeiten und insbesondere den Setting-Ansatz zu stärken.

Bereits in den späten 80er Jahren hat das Gesundheitsministerium die Entwicklung von gesundheitsförderlichen Netzwerken unterstützt.

So ist Österreich das Geburtsland des internationalen WHO-Netzwerks Gesundheitsfördernder Krankenhäuser und hat sich somit um den Aktionsbereich fünf der Ottawa-Charta - Reorientierung der Gesundheitsdienste - besonders verdient gemacht.

Mittlerweile haben sich in Österreich zahlreiche Netzwerke für Gesundheitsförderung etabliert. Ihre große Bedeutung liegt darin, dass sie dazu beitragen, Rahmenbedingungen für Gesundheit zu schaffen. Die WHO nennt das „make the healthy choice the easy choice". Denn trotz der unbestrittenen Bedeutung der Selbstverantwortung des Einzelnen für die Gesundheit sind es genauso die Bedingungen, in denen Menschen „spielen, lernen, arbeiten und lieben", die ein wesentliches Risiko oder aber auch eine Ressource für ihre Gesundheit darstellen können.

Die Bedeutung des Setting-Ansatzes der Gesundheitsförderung wurde 2005 mit der Verabschiedung der Bangkok-Charta für Gesundheitsförderung in einer globalisierten Welt erneut bestätigt. Die Bangkok-Charta betont besonders die Bedeutung einer settingübergreifenden Kooperation für die Gesundheit.

Gesundheitsförderung und Primärprävention haben seit der Verabschiedung der Ottawa-Charta deutlich an Bedeutung gewonnen. Ursächlich dafür sind einerseits die demographische Entwicklung mit dem steigenden Anteil älterer Menschen, die Zunahme chronischer Krankheiten, die Wiederkehr bzw. das Neuauftreten von Infektionskrankheiten sowie die Grenzen der individuell-kurativen Medizin.

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Gesetzliche Grundlagen für Gesundheitsförderung

Gesundheitsqualitätsgesetz

Die Gesundheitsreform 2005 (BGBl. I Nr. 179/2004) setzte durch die Schaffung eines Gesetzes zur Qualität von Gesundheitsleistungen einen Schwerpunkt zum Thema Qualität. Die Grundprinzipien dieses Gesetzes sind PatientInnenorientierung, Transparenz, Effizienz, Effektivität und PatientInnensicherheit.

Gesundheitsförderungsgesetz

Mit der Verabschiedung des Gesundheitsförderungsgesetzes (GfG), BGBl. Nr. 51/1998 und der Aufgabenzuweisung an den Fonds Gesundes Österreich, der seit 1. August 2006 ein Geschäftsbereich der Gesundheit Österreich GmbH ist, hat Österreich eine gesetzliche Grundlage für eine stärkere Verankerung von Gesundheitsförderung und Prävention im Gesundheitsbereich geschaffen, die auch international als vorbildlich gilt.

Das Gesundheitsförderungsgesetz, das sich inhaltlich an der Ottawa-Charta orientiert, legt auch den Budgetrahmen von 7,25 Millionen Euro aus öffentlichen Mittel fest, die jährlich für die Umsetzung von Gesundheitsförderungs-Aktivitäten zur Verfügung stehen.

Das Gesundheitsförderungsgesetz umfasst:

  • Maßnahmen und Initiativen zur Erhaltung, Förderung und Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung
  • Aufklärung und Information über vermeidbare Krankheiten und über seelische, geistige und soziale Faktoren, die Gesundheit beeinflussen.

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Gesundheit Österreich GmbH/Geschäftsbereich Fonds Gesundes Österreich (FGÖ)

Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) wurde am 1. August 2006 per Bundesgesetz über die Errichtung der Gesundheit Österreich GmbH - als nationales Forschungs- und Planungsinstitut für das Gesundheitswesen und als nationale Kompetenzstelle für Gesundheitsförderung eingerichtet. Der Geschäftsbereich FGÖ ist die nationale Kompetenzstelle für Gesundheitsförderung und Prävention. Der FGÖ fördert nicht nur praxisorientierte und wissenschaftliche Projekte, sondern entwickelt auch Aktivitäten und Kampagnen, um gesunde Lebensweisen und gesunde Lebenswelten für möglichst viele Österreicherinnen und Österreicher erreichbar zu machen und regt Kooperationen im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention an.

Aus dem gesetzlichen Auftrag leiten sich sechs Handlungsfelder ab, für die der Fonds Gesundes Österreich zuständig ist:

  • Bewegung
  • Ernährung
  • Seelische Gesundheit
  • Kinder und Jugendliche
  • Menschen am Arbeitsplatz
  • Ältere Menschen

Der Fonds ist ein wichtiger Partner des Gesundheitsressorts, wenn es darum geht die Lebenswelten und das Verhalten der Menschen gesünder zu gestalten.

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Mission Statement des Ludwig Boltzmann Instituts für Gesundheitsförderungsforschung (LBIHPR)

Das LBIHPR ist eine inter- und transdisziplinäre Forschungseinrichtung, die sich mit den Bedingungen und Möglichkeiten von Gesundheitsförderung in Organisationen befasst. Auf der Grundlage der modernen Systemtheorie ist das LBIHPR vor allem an Fragen der effektiven und nachhaltigen Implementation von Maßnahmen der Gesundheitsförderung in Organisationen interessiert sowie an der Weiterentwicklung von Theorien, Modellen und Konzepten, mit deren Hilfe solche organisationalen Veränderungsprozesse beschrieben werden können. Dabei fokussiert die Forschung auf Fachorganisationen, in denen die Leistung der Organisation erst durch eine enge Zusammenarbeit der in ihr tätigen Fachleute mit den NutzerInnen der Organisation zustande kommen kann. Das gilt für Schulen, Krankenhäuser und Einrichtungen der Langzeitbetreuung, beziehungsweise für die Interaktionen von LehrerInnen, medizinischen oder pflegerischen ExpertInnen mit SchülerInnen, PatientInnen oder HeimbewohnerInnen.

Das BMG kooperiert insbesondere mit der Programmlinie 1 "Gesundheitsförderung in der Schule" und der Programmlinie 2 "Gesundheitsförderndes Krankenhaus" des LBIHPR:

Programmlinie 1: Gesundheitsförderung in Schulen

Schule und Unterricht stellen hoch relevante Kontexte für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen als auch die Gesundheit von LehrerInnen dar. Besonderes Augenmerk muss dabei den organisatorischen bzw. psychosozialen Bedingungen der Schule sowie des Lehrens und Lernens gelten und der Frage, wie diese Bedingungen in einem gesundheitsförderlichen Sinne beeinflusst werden können.

Die zentralen Forschungsfragen der Programmlinie Schule konzentrieren sich deshalb auf:

  • die Identifizierung von Elementen im schulischen Kernprozess des Lehrens und Lernens, von Charakteristiken des Schulmanagements (Führung und Qualitätsmanagement) sowie von strukturellen Ressourcen oder Defiziten mit positiver oder negativer Auswirkung (Impact) auf die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten von SchülerInnen und LehrerInnen,
  • die Definition komplexer Interventionen mit dem Ziel, gesundheitsfördernde Prozesse und Managementstrukturen zu etablieren sowie schulische Entwicklungsprozesse in Bezug auf die genannten Elemente, Charakteristiken, Ressourcen und Defizite in Gang zu setzen.

Die Bearbeitung dieser Fragen erfolgt derzeit im Rahmen zweier internationaler Forschungsprojekte und zweier nationaler Interventionsprojekte:

  1. der WHO-Collaborative Study Health Behaviour in School-aged Children;
  2. dem EU-Projekt Healthy Eating and Physical Activity in Schools in Europe (HEPS);
  3. dem Initiativprojekt Gesunde Schule des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, des Bundesministeriums für Gesundheit und des Hauptverbands der österr. Sozialversicherungsträger;
  4. der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation des Wiener Netzwerks Gesundheitsfördernder Schulen.

Programmlinie 2: Gesundheitsförderndes Krankenhaus

Krankenhäuser können – neben ihrer unbestritten positiven Wirkung für viele PatientInnen – auch hoch riskant sein (Stichworte Patientensicherheit, Hospitalismus). Als Arbeitsplätze gehören sie zu den am stärksten gesundheitsbelastenden Einrichtungen. Dazu kommt ihre problematische Umwelt- und Ökobilanz. Vor diesem Hintergrund – und in Anlehnung an die Forderung der WHO-Ottawa-Charta von 1986 nach einer umfassenden Reorientierung der Gesundheitsdienste (im Sinne einer stärkeren Public Health-Orientierung) – wird seit den 1990er Jahren im Rahmen des internationalen WHO-Netzwerks „Health Promoting Hospitals“ (HPH) an der Konzeptentwicklung, Implementierung und Qualitätsentwicklung von Gesundheitsfördernden Krankenhäusern gearbeitet. Die PL 2 befasst sich mit der Analyse und Aufbereitung der Erfahrungen aus dem internationalen HPH-Netzwerk und anderen Krankenhausreformprogrammen und -konzepten, um diese für die gesundheitsförderliche Weiterentwicklung von Krankenhäusern nutzbar zu machen. Zwischen 2012 und 2015 werden zwei Hauptfragestellungen verfolgt:

  • Welche Strukturen und Kapazitäten brauchen Krankenhäuser und die sie unterstützenden Gesundheitsförderungs-Netzwerke, um Strukturen und Maßnahmen der Gesundheitsförderung gut implementieren zu können?
  • Wie lässt sich HPH als Umbrella-Konzept mit anderen Programmen und Reform-Konzepten für Krankenhäuser verbinden?

Diese Hauptfragestellungen werden in unterschiedlichen Forschungsprojekten z.T. konzeptuell, z.T. empirisch bearbeitet:

  • Evaluationsprojekt „PRICES-HPH“: Im Rahmen dieser retrospektiven, international vergleichenden Evaluationsstudie zu den nationalen und regionalen Netzwerken Gesundheitsfördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen (HPH) und ihren Mitgliedsorganisationen erfolgten bereits Analysen der Strukturen und Kapazitäten auf Ebene der Netzwerke und Mitgliedskrankenhäuser. Die abschließenden Analysen widmen sich nun der Frage, welche Strukturen und Angebote HPH-Netzwerke brauchen um die Implementierung von Gesundheitsförderungs-Strukturen in Krankenhäusern günstig beeinflussen können.
  • Health Literacy (HL) – Gesundheitskompetenz: Die Perogrammlinie 2 ist an mehreren nationalen und internationalen Projekten zur Definition und Messung von Health Literacy beteiligt und bearbeitet u.a. die Frage, wie das HL-Konzept zur gesundheitsförderlichen Weiterentwicklung der Kernprozesse in Gesundheitsfördernden Krankenhäusern genutzt werden kann.
  • Baby-friendly Hospitals (BFH): BFH ist ein etabliertes und evidenzbasiertes Programm zur Förderung der Gesundheit von Müttern und Babys. Die Programmlinie 2 arbeitet im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung eines BFH-Rollout-Projektes in Österreich an der Frage, wie das Konzept gut in die Strukturen von Krankenhäusern integriert werden kann und in wie weit die Kapazitäten eines Netzwerks dafür hilfreich sein können.
  • Das "Nachhaltige Krankenhaus": Die Programmlinie 2 bearbeitet die Fragestellung, wie dieses Krankenhaus-Reformkonzept HPH ergänzen und in seiner Effektivität unterstützen kann.

Darüber hinaus ist die Programmlinie mit ihrem WHO-Kooperationszentrum in der wissenschaftlichen Beratung und Begleitung des internationalen und des österreichischen Netzwerks Gesundheitsfördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen sowie der Wiener Allianz für Gesundheitsförderung in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Seniorenwohneinrichtungen tätig.

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Prävention

Während die Gesundheitsförderung alle der Gesundheit dienlichen Maßnahmen im Rahmen einer Gesellschaft umfasst, ist die Prävention auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, nämlich auf die Bewahrung der Gesundheit sowie die Verhütung und Früherkennung von Krankheiten. Es wird zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention unterschieden.

Primärprävention setzt an, noch bevor es zur Krankheit kommt. Sie trägt dazu bei, gesundheitsschädigende Faktoren zu vermeiden, um die Entstehung von Krankheiten zu verhindern.

Sekundärprävention soll das Fortschreiten eines Krankheitsfrühstadiums durch Frühdiagnostik und -behandlung verhindern. Sie greift also in bestehende Risikosituationen ein und versucht, diese abzuwenden.

Tertiärprävention konzentriert sich nach einem Krankheitsereignis auf die Wiederherstellung der Gesundheit. Folgeschäden sollen somit vorgebeugt und Rehabilitation ermöglicht werden.

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Zusatzinformationen: